„Dein unnützes proprietäres Format bringt keine Vorteile“


Nachbetrachtung der FOSSGIS Konferenz 2014 in Berlin

FOSSGIS 2014

Foto: Eigene Aufnahme, CC BY SA

 

Wir sehen uns in Münster 2015! Mit der Ankündigung des Veranstaltungsortes für die FOSSGIS Konferenz 2015 ging am Freitagnachmittag eine großartige FOSSGIS Konferenz (19.03 – 21.03.2014) an der Beuth Hochschule in Berlin zu Ende. Auch meggsimum.de war vor Ort und hier gibt es ein paar Eindrücke aus Berlin.

Lightning Talk GeoServer-REST-API

Foto: mapmedia.de, CC BY SA

Anmeldung zu? Die FOSSGIS 2014 sorgte bereits im Vorfeld für Furore: Bei mehr als 500 Anmeldungen haben die Organisatoren zum ersten Mal ernsthaft überlegt, die Anmeldung vor Beginn zu schließen. So weit kam es dann zwar nicht, aber mit 536 Teilnehmern war schon vor dem eigentlichen Startschuss der erste Rekord geknackt. Es wurde die größte FOSSGIS Konferenz der bisherigen Geschichte.
Los ging es am Mittwoch, den 19.03.2014, mit einer Pre-Conf-Session zu den Themen Was ist Open Source, wie funktioniert das und worauf muss man achten sowie zu bekannten Anwendungen, Bibliotheken und Tools für Geo und GIS und OpenStreetMap, ehe dann standesgemäß am Mittwochnachmittag in einer sehr gelungenen Eröffnungsveranstaltung die Spiele für die nächsten 2 Tage eröffnet wurden. Die beiden Keynotes bestachen durch interessante Themen, die zwar nahe an GIS- und Geo-bezogener Thematik angelehnt waren, aber diese auf einer nicht-technischen Ebene betrachteten. Benjamin Ducke stellte in seinem Vortrag Quo vadis Open Source? u.a. kurzfristige Nutzen und langfristige Schäden für Open Source Projekte aufgrund aktueller Entwicklungen gegenüber. Außerdem brach er sehr überzeugend eine Lanze für die Vermeidung von proprietären (Geo-)Formaten und deren Verwendung in Open Source (GIS) Projekten. Bei seiner Aussage, die sinngemäß lautete „dein unnützes proprietäres Format bringt mir keine Vorteile“ konnte man das Staunen im Saal buchstäblich fühlen.
Christian Bittner stellte als „gesellschaftswissenschaftlicher Humangeograph“ in seiner Keynote die gesellschaftspolitische Relevanz von Karten und Geodaten am Beispiel von OSM in Jerusalem dar. Dabei zeigte er eindrucksvoll wie Karten Meinungen steuern können, da diese selbst in einem Crowdsourcing-Projekt wie OSM subjektive Elemente enthalten. Großes Kompliment an das Programmkomitee für die Auswahl der Keynotes!
Abgerundet wurde die Eröffnungsveranstaltung durch eine Lightning-Talk-Session, in der ich u. a. zeigen konnte, wie man in weniger als 5 Minuten aus einem Shapefile einen standardkonformen voll gestylten WMS-Layer mittels GeoServer REST-Api erstellen kann. Danach ging es mit Vollgas in die Nachmittags-Session, die mit vielen interessanten Vorträgen, z.B. über Schlangen, die die Welt prozessieren oder auch zur GeoCouch und virtuellen 3D-Globen im Zusammenspiel mit OSM punkten konnte.

Abendveranstaltung

Foto: mapmedia.de, CC BY SA

12 Minuten für einen Stapel von 40 Pizzen. Auch die offizielle Abendveranstaltung brach wohl einen Rekord: Die schnellste Pizza-Vernichtung in der Geschichte des FOSSGIS e.V. Nachdem alle Teilnehmer mit bestem Fingerfood in allen Variationen versorgt wurden, gab es im Laufe des Abends weitere Leckerbissen. Wie aus dem Nichts standen 40 Pizzen im Raum, die es zu beseitigen galt. Ob dies eine Sicherheitsmaßnahme war, so dass auch wirklich niemand hungrig nach Hause geht, lag mir bis Redaktionsschluss nicht vor. So weit, so gut. Nach dem kurzen Pizza-Intermezzo konnte sich wieder den hervorragenden Kaltgetränken gewidmet werden, um den Abend in Ruhe ausklingen zu lassen. Denkste! Ca. eine Stunde später wurden erneut 40 Pizzen geliefert, die laut @sevenspatial in handgestoppten 12 Minuten erneut erledigt wurden.

Foto: Eigene Aufnahme, CC BY SA

Foto: Eigene Aufnahme, CC BY SA

Bestes Kaiserwetter wartete am „langen Donnerstag“ auf die FOSSGIS’ler ebenso wie ein volles Vortragsprogramm. Ein Highlight jagte das nächste und in den Kaffeepausen dazwischen wurde gefachsimpelt, genetzwerkt und mit alten Kollegen und Freunden Neuigkeiten ausgetauscht. Daher werde ich hier nur ein paar wenige Raketen aus dem Vortragsfeuerwerk nennen können:
Für einen vollgepackten Hörsaal sorgte Till Adams von terrestris mit seiner „Glaskugellesung“ (oder vielleicht besser Glasglobuslesung) die Zukunft von WebGIS. Im gewohnten Stil als „cooler Hund“ gab er in 20 Minuten einen Einblick in aktuelle Entwicklungen der WebGIS-Szene und einen persönlichen Ausblick wie es in Zukunft weitergehen könnte. Dabei flogen immer wieder folgende Buzzwords durch den Raum:

ol3  online 3D

offline  WebGL mobile

Szenenapplaus erntete Till für den Satz „Apps sind tot“ auf die Frage aus dem Plenum nach den Entwicklungen im Bereich „mobiles GIS“.
Am Nachmittag füllte die Session zu Javascript-basierten Webmapping-Frameworks erneut den großen Hörsaal. Zunächst gaben die OpenLayers-Kernentwickler Marc Jansen und Andreas Hocevar einen Einblick in die komplett neu entwickelte Version 3 des Webmapping-Urgesteins OpenLayers. Die nun doch in die Jahre gekommene Version 2 von OpenLayers gepaart mit dem Erfolg von Leaflet ließ ein komplettes Re-design der Software nötig werden. Eine wesentlich schlankere Bibliothek, eine vereinfachte API sowie eindrucksvolle Performanz-Vorteile versprechen einiges. Die gezeigten Beispiele, so mein Eindruck, begeisterten den Saal und machten beim ein oder anderen Hunger auf mehr.
Anschließend präsentierte ich  im Zusammenspiel mit Marc Jansen die neue Version 2 von GeoExt, dem Framework für anspruchsvolle desktop-ähnliche WebGIS-Anwendungen. Auch hier gab es viele Neuerungen und Verbesserungen gegenüber der Vorgängerversion zu berichten. Überraschend war hier für mich die Tatsache, dass mehr als drei Viertel der Anwesenden bereits mit GeoExt gearbeitet hatten. Neben Einblicken in die Entstehungsgeschichte und beindruckenden Beispielen, wurde auch die Frage nach der zukünftigen Entwicklung gestellt: Wie wird ExtJS in der Version 5 unterstützt werden und v.a. wie wird ol3 oder Leaflet mit GeoExt nutzbar? Spannende Fragen!
Abgerundet wurde die Webmapping-Session von Pirmin Kalberer, der die mobilen Anwendungsmöglichkeiten von ol3 demonstrierte. Er stellte den ol3-mobile-viewer  und map.geo.admin.ch vor, welche eindrucksvoll zeigten, wie stark OpenLayers3 im mobilen Bereich ist. Auffällig dabei ist, dass der aktuelle Webtrend „Responsive Design“ nun auch Einzug in die Webmapping-Welt erhält. Vorbei sind wohl die Zeiten, in denen es eine WebGIS-Anwendung für den Desktop und eine für das Smartphone gab. Wir dürfen auch hier gespannt sein.
Wie bereits geschrieben, hier könnte man endlos weiterschreiben, da es eine Fülle an hervorragenden Präsentationen gab. Die sind zum Glück alle als Aufzeichnung im Videoportal youtube zu finden. Machen Sie sich einen schönen Fernsehabend und schauen sie sich die interessanten Vorträge zu den Themen 3D, Geoportale, GDI oder auch OpenStreetMap (nochmals) an.
Am späten Nachmittag gab es noch die FOSSGIS e.V. Vollversammlung  sowie einige BOFs und Anwendertreffen, ehe sich am Abend das Treiben an der Beuth langsam auflöste und jeder seinen Weg Richtung Berliner Nachthimmel antrat.


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Lange Tage, kurze Nächte. Nach diesem Motto ging es auch am Freitag direkt morgens weiter im vollgepackten Konferenzkalender. Neben den Vorträgen zu GIS, WebGIS und OSM wurden am Freitag folgende Themen vorgestellt:

  • Geomarketing
  • OpenGeoData
  • INSPIRE
  • Geodaten im Forschungsumfeld

Außerdem gab es, wie an den anderen Konferenztagen auch, eine Fülle an Workshops, um von Experten einen praktischen Einblick in die spannende FOSSGIS-Welt zu bekommen.

Da aber auch die schönste FOSSGIS mal zu Enden gehen muss, stand am Freitagnachmittag die Schlussveranstaltung auf dem Programm. Als Keynote gab es noch eine besondere Überraschung: Daniel Morissette, einer der Veteranen der Szene (nicht verwandt oder verschwägert mit Alanis), zeigte seine „History of MapServer“. Lustige Anekdoten aus den letzten 20 Jahren mit vielen Erinnerungsfotos ermöglichten ein kurzweiliges Abtauchen in eines der erfolgreichsten Open Source GIS Projekte.
Marco Lechner als Präsident des FOSSGIS e.V. sowie Prof. Möller von der Beuth Hochschule bedankten sich zum Ende bei allen Beteiligten für das Geleistete in den letzten Tagen und ließen unter lautstarkem Applaus die FOSSGIS’sche Flamme erlöschen.

Danke! Auch mir bleibt nun nur noch der Dank an alle, die die FOSSGIS 2014 zu dem gemacht hat, was sie war: großartig! Allen voran Katja Haferkorn und dem lokalen Team der Beuth Hochschule, dem FOSSGIS e.V., allen Vortragenden und Workshopleitern, den Damen und Herren aus dem Catering-Team, die uns bestens rundum versorgt haben sowie natürlich allen Teilnehmern.

Wir sehen uns in Münster 2015!